Wohlfühlen first! – Über entspannte Termine im Tattoo-Studio

Die Tattoo-Szene hat viel zu bieten: Kreativität, Handwerk, Weltoffenheit, Freundlichkeit, interessante Kontakte und natürlich wunderbare Hautkunstwerke. Doch der Weg vom Erstkontakt mit dem Künstler bis hin zum fertigen Tattoo kann für Frauen einige Momente des Zweifelns oder Zögerns bieten. Wie sorge ich als Frau dafür, dass ich mich mit dem Künstler, dem Studio und dem Tattoo-Prozedere wohlfühle? Ein Erfahrungsbericht von GIRLS & TATTOOS-Gastbloggerin Saskia.

Zu Beginn meiner Tattookarriere stand für mich vor allem eines im Fokus: ein schönes Motiv gestochen zu bekommen. Der Künstler sollte etwas drauf haben, natürlich, aber um mehr habe ich mir nicht wirklich Gedanken gemacht. Mittlerweile achte ich bei meiner Suche nach dem nächsten Kunstwerk auf weitaus mehr, als nur eine fähige Hand, die die Tattoomaschine führt. Als (junge) Frau habe ich für mich im Laufe der Jahre, die ich schon in der Szene unterwegs bin, eine Indikatoren ausmachen können, die zu einem angenehmen Tattoo-Erlebnis beitragen. Denn: Das finale Tattoo ist viel mehr als nur das Motiv – es sind auch die Erlebnisse im Studio, mit dem Künstler und der Situation, die am Tattoo haften bleiben. Daher sollte man das Ganze für sich so entspannt wie möglich gestalten. Wohlfühlen first!

Recherche und Information: Am Anfang eines jeden guten Tattoos steht – na klar – die Suche nach dem Menschen, der es sticht. Doch neben dem Talent des Künstlers achte ich zudem auf Stimmen der Kunden, die bereits dort unter der Nadel waren. Wie sind die Reaktionen in den sozialen Netzwerken? Dank der Digitalisierung können nicht nur Tätowierer ihr Können der Welt präsentieren, sondern auch ehemalige (Stamm-)Kunden ihre Meinung dazu abgeben. Häufen sich Dankbarkeitsbekundungen und Bilder von sauber verheilten Tattoos auf den Channels, ist das für mich ein Indikator, dass der Künstler einen guten Job gemacht hat. Somit starte ich als Kundin schon mal mit einem guten Gefühl die Anfrage. Ein zusätzlicher Pluspunkt ist es natürlich, wenn man bereits Kunden des Künstlers im erweiterten Bekanntenkreis hat und man sie um ihre Meinung bitten kann. Ich empfehle Freunden und Bekannten nur Künstler, mit denen ich rundum zufrieden war – wie es wahrscheinlich jeder andere auch tun würde. Also: holt euch möglichst viele Infos zur Person ein, die ein Kunstwerk auf eurer Haut verewigen wird, was ein Leben lang bleibt. Nicht auf CIA-Stalker-Niveau, aber genau so, dass ihr euch gut informiert fühlt.

Persönlicher Kontakt: Wenn der Künstler eurer Wahl auf der anderen Seite der Welt lebt, ist das mit dem persönlichen Kontakt natürlich so eine Sache. Ich bevorzuge es dennoch, Termine im Shop vor Ort zu vereinbaren und die erste Motividee mit dem Artist persönlich zu besprechen. Das hat zum einen den Vorteil, dass ihr direkt die Location checken könnt, in der ihr später tätowiert werdet. Zum anderen lernt ihr natürlich – falls nicht bereits geschehen – den Künstler persönlich kennen. Zeit, um ein wenig zu plaudern, das Motiv und eure Idee durchzusprechen und vom Artist selbst eine Meinung dazu zu hören. So merkt ihr direkt ob die Chemie stimmt. Und die ist meiner Meinung nach essentiell für ein gelungenes Tattoo. Wenn ich meine Tattoos betrachte, kommen immer die damit verknüpften Erinnerungen in mir hoch. Ein tolles Gefühl, wenn man mit seiner Kunst Positives in Verbindung bringen kann. Könnt ihr nicht vor Ort sein: Ein Telefonat bietet zumindest eine erste Grundlage für’s „Kennenlernen“.

Räumlichkeit: Noch mal zurück zum Locationcheck. Das WO ist beim Tätowieren nämlich fast genau so essentiell wie das WAS oder das WER. Ihr mögt keine großen Menschenmengen, die euch beim Tattooprozess zuschauen? Dann sind Conventions wahrscheinlich nicht der beste Ort für euch, um dort tätowiert zu werden. Ihr bevorzugt eine sehr private und ruhige Atmosphäre? Das könnte in einem großen Studio mit vielen Künstlern und Walk-In-Möglichkeit zum Problem werden. Ich kenne einige Frauen, die gern in eher kleinen Studios ohne Laufkundschaft tätowiert werden, weil sie sich so sicherer fühlen, keinen fremden Blicken ausgesetzt sind und somit ganz bei sich sein können. Das ist natürlich keine Geschlechterfrage, sondern eine der individuellen Persönlichkeit.

Körper und Nacktheit: Das Tattoo kommt auf die Haut. So weit, so klar. Dafür muss die Haut entblößt sein, auch klar. Je nach dem wo ihr euer Tattoo platzieren wollt, geht das Tätowieren vorher mit dem Ausziehen bestimmter Kleidungsstücke einher. Tattoos am Oberschenkel zum Beispiel erfordern zumindest eine derart weite Hose, dass sie komplett hochgekrempelt werden kann und das Bein frei liegt. Steht ein Tattoo unter der Brust an, muss der BH natürlich weichen, denn er wäre im Weg. Und lässt man sich den Hintern tätowieren, ist wohl klar, dass die Hose flöten geht. Zusammengefasst: (Partielle) Nacktheit ist beim Tätowieren keine Seltenheit. Dem solltet ihr euch im Vorhinein bewusst werden und prüfen, ob ihr als Frau mit eurer Nacktheit dementsprechend ein Problem hättet bzw. ob es euch Unbehagen bereiten würde, euch an dem speziellen Ort vor diesem speziellen Menschen zu entkleiden. Die richtige Chemie ist daher zwischen Künstler und Kunde vor allem im Hinblick auf diesen Aspekt essentiell. Eine Möglichkeit, um euch an- bzw. auszuziehen, sollte natürlich vorhanden sein. Fühlt ihr euch im Studio wohl und mit dem Menschen, der euch tätowiert, kann quasi nichts mehr schief gehen.

Ehrlichkeit und Offenheit: Eigentlich ist Kommunikation das Geheimrezept für ein rundum gelungenes Tattoo(-prozedere). Doch gerade als Tattoo-Neuling erlebe ich Frauen öfter mal als scheu und zurückhaltend, weil sie nicht wissen, ob es angebracht ist, ihre offenen Fragen oder sogar Zweifel laut zu äußern. Ganz ehrlich: Wer nicht fragt, der nicht gewinnt. Stimmt tatsächlich. Ich möchte beispielsweise gern vor einem Tattootermin wissen, wie lang der Künstler für das Motiv eingeplant hat. So kann ich abschätzen, wie viel Proviant ich benötige. Ich möchte auch wissen, wie viel ich ungefähr für das Tattoo bezahlen werde, damit ich dementsprechend den betrag an Bargeld dabei habe. Und genauso gut könnt ihr alle anderen Fragen loswerden: Was sollte ich am besten anziehen? Sind noch andere Tätowierer und Kunden da? Können wir auch einige Pausen machen, wenn ich den Schmerz nicht mehr aushalte? Die Liste könnte man endlos fortführen, denn es gibt tatsächlich (fast) keine dummen Fragen. Also: Sprecht aus, was euch bewegt und sorgt dafür, dass ihr rundum happy seid. Das ist das wichtigste.

 

Titelbild: Dan Prado


Über unsere Gastbloggerin Saskia:

Saskia hat das Schreiben im Blut und tobt sich hauptberuflich, nebenher und hobbymäßig damit aus. Sie sieht sich als Tattoo-Enthusiast, der Körperkunstwerke in Traditional, Neotraditional und Blackwork sammelt. Sollte mal etwas schiefgehen, schaut sie sich einfach ein Faultiervideo an – das hilft.

Ihren eigenen Blog „The Girl Above“ findet ihr übrigens genau hier.

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