Mein Weg zum ersten Tattoo: Von der Motivsuche zur fertigen Tätowierung

Mein Weg zum 1. Tattoo ist schon ein paar Jährchen her. Genau genommen vier Jahre.

Jetzt werfe ich noch mal einen Blick auf mein damaliges „nacktes“ Ich und wünsche euch viel Spass beim Lesen der gedanklichen Auswüchse einer Achzehnjährigen auf der Suche nach ihrem ersten Hautbildchen:

„Wie findet man zum perfekten Motiv?“ oder „Wie wird man nicht zur Pusteblume-Fenstervogel-Schörkel-Frau“

Der Weg zu meinem Tattoo hat mit dem Wunsch, cool und unberechenbar zu sein, angefangen.

Zu diesem Zeitpunkt war ich 15 und eine Freundin hatte bereits ein selbstgestochenes, süsses Tattoo zu Ehren ihres besten Kumpels. Als ich erfuhr, dass sie sich das süsse Ding selbst gestochen hat, war ich hin und weg und wollte sofort auch sowas Tolles. Hab mich dann mit schwarzer Füllertinte und Nadel ans Werk gemacht.

Das Ergebnis: ein halber Kreislauf-Zusammenbruch und Schelten des damaligen Freundes. Natürlich habe ich es nicht geschafft das Motiv (einen Stern) unter die Haut zu bringen. Was von meinem Tattoo übriggeblieben war, glich eher einem Cutting und heute weiss ich schon gar nicht mehr, wo ich das Teil in die Haut bringen wollte. Und darüber bin ich sehr froh :D
Nun, vier Jahre später und vier Jahre klüger, inzwischen berufstätig und erfolgreich, beschäftige ich mich mit ernsteren Gedanken an ein Tattoo.

Es soll speziell sein, perfekt gestochen und zu mir passen. Es soll mich schmücken, mich verschönern.

Der erste Schritt war für mich, MEIN perfektes Motiv zu finden. Nachdem ich immer einen Stern, einen Schmetterling oder eine Blume wollte, habe ich mir das (GOTTSEIDANK) immer wieder durch den Kopf gehen lassen.( Zum Glück bin ich immer ein wenig langsam, was Entscheidungen betrifft, daher habe ich noch nichts dergleichen stechen lassen.)

Da ich auch nichts Erfundenes reininterpretieren wollte und sonst keine Bedeutung in diesen Motiven fand, zerbrach ich mir den Kopf weiter. Als nächstes wollte ich Efeu. Es steht für Standfestigkeit und Treue und hätte somit eine grosse Bedeutung für mich.

Doch ist es das richtige als erstes Motiv? Ich wusste einfach nicht, wie ich den Efeu platzieren könnte und daher verschob ich den Gedanke in ein Schublädchen weiter hinten.
 Schliesslich wollte ich eine Elster. Ein seltenes, wunderschönes Motiv (wenn ich heute rückwirkend darüber nachdenke…naja, so ein seltenes Motiv isses auch nicht mehr). Verbunden mit Efeu und der geliebten Feuerlilie, welche bei mir zuhause in freier Natur wächst.

Was gibt’s schöneres? Doch ich kam zum Punkt, dass dies ein schön grosses Tattoo würde werden, damit es richtig zur Geltung kommen könnte.

Und ein grosses Tattoo mit wenig Bedeutung? Auch nicht das richtige für mein erstes Tattoo. Nun habe ich die Elster auch auf später verschoben, im Falle dass ich später noch mehr Körperverzierungen will.

Nachdem ich dann diesen Plan wieder verworfen habe, kam ich zum Schluss, dass es die Aussicht aus meinem Elternhaus werden soll. Ich hab mir beim Nachhausegehen meine Umgebung angeschaut, mit dem schönen Sonnenuntergang. Meine Heimat fasziniert mich immer wieder, nur zuhause bin ich wirklich frei und fühle mich wohl. Nun wusste ich also, dass es ein heimatverbundenes Tattoo werden soll. Mit ein wenig Hilfe in einem Tattoo-Forum habe ich „meine“ Aussicht, schön barock umrahmt, als erstes Tattoomotiv auserkoren.

Als Stil-Inspiration bin ich bei Sandra König hängengeblieben. Für mich persönlich hat sie einen wunderschönen Stil, von welchem ich mich nicht abwenden kann. Da Rottenburg aber ohne Auto etwas weit weg ist, habe ich hier in der Schweiz nach geeigneten Orten gesucht und etwas Ansprechendes gefunden.
Nun bin ich soweit, dass ich nur noch ins Studio rennen muss und meine Wünsche vortragen kann. Dies wird mein nächster Schritt sein.

„Erster Gang ins Studio“ oder „Wie gestaltet man den ersten Studiobesuch mit einer Prise Peinlichkeit“

Nachdem ich sehr lange Zeit gebraucht hatte, um das richtige Motiv für mich zu finden und noch mehr Zeit gebraucht habe, um einen guten und passenden Inker zu finden, kann es nun weiter gehen mit meinem ersten Tattoo.
Gestern habe ich es nun endlich geschafft im Studio vorbeizugehen.

Dieser erste Gehversuch war natürlich schon von Peinlichkeit geprägt: Falsche Türe und schwupps, schon an den Arbeitsplätzen…mit viiielen nackten Männer-Oberkörpern!

Die Herren waren dann aber so nett und haben mich zurück an die Rezeption geschickt, und schwupps, beim Chef am Arbeitplatz, und noch mehr nackte Haut!
Als ich dann endlich (!) am richtigen Ort war, wurde ich sehr freundlich aufgenommen und nach meinen Wünschen gefragt. Da ich trotzdem noch alle Tattowierer „kennenlernen“ wollte, wurde ich auf eine Couch mit den Skizzenbüchern etc. verwiesen.
 Dort habe ich dann ein Weilchen verharrt und endgültig beschlossen, mich von Ralf stechen zu lassen. Dann ging es weiter, und ich stand wieder vor den viiiielen Männern (ich glaube die sahen in mir eine Voyeurin, so oft hab ich in der knappen Stunde die Typen angeglotzt)
. Nach ein bisschen warten und Nervosität abbauen, kam dann Ralf. Er machte von Anfang an einen tollen Eindruck, hat mich nach meinem Wunsch gefragt. Anders als erwartet (habe mich schon sehr intensiv mit meinem Motiv auseinandergesetzt), wurde erst nur ein Besprechungs- und ein Stechtermin abgemacht. Ich habe wirklich erwartet, dass man schon beim ersten Aufeinandertreffen Motiv bespricht, mit allen Wünschen und drum und dran. Meinem Anschein nach geschieht das aber wirklich erst nach den „wirklichen“ Besprechungstermin.

Nach der Anzahlung torkelte ich glücklich aus dem Studio mit den Worten ich würde mich wirklich seeehr freuen!
Nun sitze ich da, mit meiner ersten „Tattoo-Terminkarte“ und freue mich unbändig auf das was kommt! Allerdings dauerts nun recht lange, der liebe Ralf hat erst in 5 Monaten Zeit. Was mir auch recht ist, so habe ich sicher im Sommer 2013 mein erstes Tattoo (und ausserdem munkelt man ja, je länger die Wartezeit, je mehr Chancen auf ein richtiges Kunstwerk)“

„Tut es weh?“ oder „JA! ES TUT WEH!“

So, gestern geschah dann der Aua-Teil meiner „erstes Tattoo“-Serie.
Um 12 Uhr hatte ich meinen Stechtermin bei XXX-Tattoo Luzern. Nervös, aber gut vorbereitet (genug Schlaf, genug gefuttert) bin ich dann ins schöne Luzern gefahren. Ich hatte noch überhaupt keine Vorstellungen, was mich dort erwartet. Allerdings habe ich schon eine Woche vorher einen ersten Blick auf die Zeichnung geworfen und war einfach hin und weg.

Von allen Anwesenden freundlich begrüsst, wurde ich dann an den „Tatort“ geführt und wurde immer hibbeliger. Kurze Vorbereitung, Stencil drauf, paar Anpassungen, ein kurzes Gespräch, was er so tun wird und wie ich mich zu verhalten habe, und ab geht die Post! Ich habe auch sehr gut gemerkt, wie viel Freude ihm das kleine Schweizer-Teil macht :)

Als die Nadel das erste Mal ratterte, bin ich schon noch mal zusammengezuckt und hab den ganzen Sinn der Sache noch mal hinterfragt. Da ich aber keinen guten Grund fand, der GEGEN dieses Tattoo spricht, hab ich Ralf freie Fahrt gelassen.

OMG, wie AUA ist das denn!!!?

Ich hätte ehrlich nie gedacht, dass es so weh tun würde. Die Outlines gingen noch (außer in Richtung der Kniekehle), aber der Rest? AUTSCH! Das Gefühl, das Bein würde aufgeschlitzt/aufgekratzt ist echt der Wahnsinn.

Nach paar SMS an Freunde und Kollegen war ich dann auch nicht weniger beruhigt, da alle dachten, es handle sich um ein Mini-Tattoo von einer HALBEN STUNDE! Denkste ;)

Der Rahmen war dann der Supergau. Als er fertig mit den Schattierungen war, dachte ich, er sei endlich fertig, dem war nicht so und eine weitere Leidensstunde fing an; er füllte mit Gelb auf. Das war echt der absolute Horror (hab gegen Ende auch geblutet und Ralf hat selbst gemerkt, dass es nicht mehr ganz so witzig wie zu Beginn war ^^ Flüche, flaches Atmen und der Gedanke an das Kunstwerk haben mir dann geholfen, das Ganze noch durchzuhalten.
Ich war heilfroh, als ich die Worte „So, fertig!“ hörte.

Dann noch kurz die Infos zum Abheilen, das Finanzielle hinter mich bringen und das Meisterwerk betrachten. Ich muss sagen, momentan bin ich wohl die glücklichste Schweizerin! Bin echt stolz, dass ich das durchgezogen habe und darf mich jetz dafür „tätowiert“ nennen *lach*
Wünsch euch noch weiterhin viel „BSSSSSSSSSSS“, ICH werde jedenfalls so schnell keine Nadel mehr auf meine Haut bekommen.
…Ich konnte meinem inneren Schweinehund, welcher nach mehr Tattoos gerufen hat, natürlich NICHT standhalten und habe seither weitere zwei Kunstwerke auf mir. Das nächste wird im Winter 2016 folgen. Tja, wie ihr seht, können Tattoos süchtig machen und auch Schmerzen halten einen nicht mehr von den schönen Körperkunstwerken ab.

Ich wünsche euch viele tolle Hautbildchen und hoffe, dass auch ihr zum richtigen Motiv findet. Der Weg zum Ersten ist oft steiniger, als der der Nächsten, also macht bereits am Anfang alles richtig und geniesst den Anblick der einzigartigen, wunderschönen Körperverzierungen.

Stay tuned and rock on!


Über unsere Gastbloggerin Tonia:

Tonia4Ich bin Tonia und aus der kleinen süssen Schweiz. In den Bergen aufgewachsen, unaufällig, „urchig“ (schweizerisch für sehr urig) und fleissig, bin ich tagsüber in der Bibliothek meine Bücher am umsorgen. Nein, ich versorg da nicht nur Bücher, noch häng ich dort mit Dutt rum und motz die lauten Teenager an ;). Ich mach den Job als Bibliothekarin gern, doch noch lieber geniesse ich meine Freizeit. Diese verbringe ich nicht (nur) mit Lesen. Schaut man genauer hin, sieht man die Tattooliebe (weshalb ich mich auch zuviel Zeit auf „Girls & Tattoos“ und anderen Tattoowebseiten rumtreibe), Naturnähe, Abgespacedheit und Freude an allem Verrückten. Konzerte, Metal, Essen und Tinte, und ich bin der glücklichste Mensch auf der Erde.

Ich würde von mir behaupten, dass ich mehr als eine Seite an mir habe und da stimmen mir meine Freunde bestimmt zu (man munkelt dass ich eine sehr facettenreiche Verrückte bin ;)

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