Bis über den Tod hinaus: Die Konservierung von Tätowierungen

Tattoos sind etwas ganz besonderes, sie verändern uns auf vielfältige Weise, grenzen uns von Anderen ab und drücken nach außen etwas bedeutungsvolles aus.

Doch was passiert mit Ihnen, wenn wir sterben? Tätowierungen sind ein Teil unseres Körpers, altern mit ihm zusammen, zerfallen mit ihm zu Staub, oder werden nach dem Tod mit uns begraben.

Ein Umstand, der so nicht sein muss. Es gibt die Mittel und Wege, dass diese Kunstwerke, die mitunter einige Tausend Euro wert sind den Menschen überleben. Die meisten Tätowierten haben zudem eine sehr emotionale Bindung zu den Bildern in der Haut.

Der Amerikaner Charles Hamm hat aus diesem Grund die „National Association for the Preservation of Skin Art (NAPSA)“ ins Leben gerufen. Die Organisation hat es sich zur Aufgabe gemacht nach dem Tod des Trägers auf Wunsch der Hinterbliebenen besonders wichtige Tätowierungen chirurgisch zu entfernen, zu konservieren und dann den Hinterbliebenen zu überlassen. Ein Verfahren das Hamm in Zusammenarbeit mit einem Gerichtsmediziner eigens für seine Organisation entwickelte.

Der Grundgedanke dahinter sei, dass man wortwörtlich einen Teil des geliebten Menschen für immer bei sich behalten kann. Hamm selbst sei nach der Fertigstellung seines Backpiece, das ihn nicht nur viel Geld, sondern auch mehr als fünfzig Stunden Schmerz gekostet hat, auf die Idee gekommen, diesen Service anzubieten.

Nach der Entfernung der Haut wird das Bild gerahmt und den Verwandten übergeben.

Man könnte auch von einer ganz besonderen Form der Erinnerungskultur sprechen, denn auf diesem Wege bleibt nicht nur ein Teil Haut, dass man ansehen und anfassen kann, sondern auch die Erinnerungen, Erlebnisse und Geschichten, die mit der Tätowierung und dem geliebten Familienmitglied verbunden sind erhalten und „lebendig“.

Eine Vorstellung, die mit Sicherheit für die meisten Menschen gewöhnungsbedürftig ist.

Titelbild: NAPSA 



Über unsere Gastbloggerin Kirstin:

kirstin

Kirstin ist 29, verheiratet und macht gerade ihren Master in Kulturanthropologie. Das erstes Tattoo hat sie mit 22 bekommen und seitdem ist einiges hinzugekommen. Was Tattoos angeht gehört Kirstin eher zum Typ Sammler und mag es Stile zu mixen. Ganz besonders mag sie dabei Anki Michler und Magda Hanke, von denen sie  auch schon einiges hat, aber auch noch vieles in Planung ist. Am liebsten würde Kirstin später auch mit dem Thema Tattoos arbeiten und ist gespannt, welche Möglichkeiten in dieser Richtung noch kommen werden.

2 Comments

  • Thuy sagt:

    Interessanter Artikel!

    Der Gedanke daran, das Stück konservierte Haut anzufassen, lässt es mir zwar kalt den Rücken runterlaufen, aber gerade bei tollen Werken von einzigartigen Tätowierern wäre das doch wirklich sehr cool. Ich glaube, ich würde sowas einrahmen und aufhängen. Ob meine Familie jedoch so begeistert davon wäre, wenn ich ihnen eins meiner Tattoos konservieren lassen würde und vermachen, weiß ich jedoch nicht so recht :o)

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