„Körperkalender“: Warum die Tattooszene mehr Vielfalt braucht!

Die Tattoowelt ist oberflächlich, klar, schließlich dreht sie sich um Kunstwerke, die auf der Haut zu sehen sind.

Dass diese Oberflächlichkeit sich jedoch nicht nur auf die tätowierte Haut, sondern oftmals auf die ganze äußere Erscheinung der tätowierten Personen -genau genommen der tätowierten Frauen- bezieht, wird einem immer wieder deutlich, wenn man sich ein bisschen mehr mit der Tattooszene beschäftigt.

Von den großen Tattoozeitschriften lächeln einem wunderschöne, mehr oder weniger gut tätowierte Models entgegen, die häufig nicht mehr, als ihre Tätowierungen am Körper tragen. Ja es gibt sogar eine Zeitschrift, die sich ganz allein den erotischen Aufnahmen tätowierter Frauen widmet. Auf Tattooconventions kann man sich Stripshows anschauen und es werden Tattoo-Misswahlen veranstaltet, bei denen längst nicht nur die Tätowierungen im Vordergrund stehen. Allem gemeinsamen ist, dass die Mädels dem auch in der Modewelt gängigem Schönheitsideal von schlanken, makellosen Frauen entsprechen. Und das so gut wie ausnahmslos.

In einer Szene, die auch im übertragenden Sinne so bunt und vielfältig ist, ist es doch sehr schade, dass diese Vielfältigkeit scheinbar bei der Darstellung der tätowierten Frauen aufhört.

Sex sells (und zwar nur innerhalb der „gesellschaftlichen Norm“) – Diesen Leitspruch haben sich die Tattoomedien wohl auf die Fahne geschrieben.

Tätowierte Männer, die lasziv auf Zeitschriftencovern dargestellt werden, Mister Tattoo-Wahlen oder anzüglich Bemerkungen beispielsweise unter Conventionsfotos von Kerlen in Magazinen, sucht man hingegen vergeblich.

Ich erinnere mich daran, dass es vor ein paar Jahren, als ich die Ausgaben der großen, deutschen Tattoozeitschriften noch kaufte, Leserdiskussionen darüber gab, dass die tätowierten Mädels auf den Covern teilweise doch sehr sexualisiert dargestellt, tätowierte Männer hingegen so gut wie nie abgedruckt werden.

Geändert hat sich meiner Meinung nach seitdem nichts.

Auch das war für mich vor mehr als einem Jahr ein Grund dafür, diesen Blog ins Leben zu rufen. Dass in Berichten häufig nicht die Tattookunst im Vordergrund steht, sondern eher die nackte Haut der tätowierten Frauen, ging mir zu diesem Zeitpunkt immer mehr auf die Nerven. Es war mir ein Anliegen, dass bei den Mädels, die in den Interviews über ihre Tätowierungen erzählen, allein diese im Vordergrund stehen und nicht ihre sonstige äußere Erscheinungen. Der Blog soll darstellen, dass tätowierte Mädels -ganz egal welcher Konfektionsgröße, welches Alters, etc.- wunderschön sind und jede für sich eine ganz besondere Persönlichkeit hat. Eben genau das, was mir in den meisten Tattoo-Printmedien fehlt.

„Körperkalender“- Eine Aktion von Manuela Jäger und Dr. Mark Benecke

Vor wenigen Wochen stieß ich dann über Facebook auf die großartige Aktion der Fotografin Manuela Jäger und des tätowierten Kriminalbiologen Dr. Mark Benecke. Monatelang regten sie an, wunderhübsche, normale, tätowierte Frauen abseits der gängigen Schönheitsideale in einem Kalender oder Zeitschriftenspecial zu zeigen, doch keine Tattoozeitschrift glaubte an die Idee oder hatte Interesse.

Ihre Aktion stieß über den Facebookpost auf wahnsinnige Unterstützung und hunderte von Frauen und Männern sprachen sich dafür aus, dass sie sich ebenfalls wünschen würden, dass Mädels aller Kleidergrößen in den Tattoomagazinen dargestellt werden und es doch vor allem um die Tätowierungen gehen sollte.

Und da die gängigen Magazine scheinbar ein Brett vorm Kopf haben und nicht sehen, dass sich ein ganz großer Teil der Leute, die ihre Zielgruppe ist, wünscht, dass mehr Vielfalt in die Darstellung tätowierter Frauen kommt, haben die beiden den Mut zur Eigeninitiative ergriffen.

„Niemand sollte sich verstecken müssen und niemand sollte sich schämen müssen. Die Gesellschaft ist kunterbunt und so sollten wir uns auch zeigen dürfen.“

„Wir müssen uns gemeinsam stärken, um zu sehen, wie schön wir sind.“

Quelle: Körperkalender Crowdfunding-Kampagne auf indiegogo.com

Dieses schreibt Manuela als Leitsätze in der Crowdfundig-Kampagne, die sie mit Dr. Mark Benecke ins Leben gerufen hat, um ihr Herzensprojekt doch noch Wirklichkeit werden zu lassen. Schöner kann man es nicht formulieren <3

Um die Finanzierung des Projektes zu sichern, ist natürlich ne Menge Kleingeld nötig, denn Kalenderproduktionen kosten mit allem drum und dran einfach eine ganze Stange Geld. Euren kleinen Beitrag für die zu erreichenden 5600 € könnt ihr über die Kampagne leisten und bekommt, je nach Einsatz, einen Teil des Projektes, beispielsweise in Form des fertigen Kalenders, zurück.

Bewerben darf sich dann natürlich auch jede tätowierte Frau, die sich gerne vor der Kamera zeigen mag und es soll eine bunte Mischung an Mädels ausgewählt werden. Eben so verschieden und einzigartig, wie unsere Gesellschaft.

Crowdfunding Kampagne: Körperkalender

Facebookseite: Manuela Jäger Photography

Ich wünsche den beiden ganz viel Erfolg, dass ihr tolles Projekt umgesetzt werden kann und sehe es als großartigen Schritt für eine Tattooszene, die genauso bunt und vielfältig ist, wie sie doch eigentlich sein sollte!

 

Titelbild: Manuela Jäger

 

2 Comments

  • Haydee sagt:

    Na, DAS finde ich doch mal eine großartige Geschichte. Und es stimmt. Auch wenn ich – da eben nicht tätowiert – noch nie so wirklich darüber nachgedacht habe. Wie immer in der Öffentlichkeit und in Printmedien: die Models sind jung, schlank und meist auch sehr sexualisiert. Schade. Bei Männern kenn ich das Phänomen übrigens durchaus auch – nur eben aus der Schwulenszene. Gleiches Prinzip. :-)
    Lg

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