Instagram – Fluch oder Segen für die Tattoo-Szene?

Der Social Media Channel Instagram ist für erfolgreiche Tätowierer mittlerweile zum Marketing-Alltag geworden. Aber: Was nützt der ganze Posting-Hype? Und: Welche Stolpersteine und Gefahren verbergen sich hinter dem bildgewaltigen Kanal?

Wer sich heutzutage auf die Suche nach dem passenden Tattoomotiv oder Künstler begibt, kommt an Instagram nicht mehr vorbei. Dort tummelt sich alles, was Rang und Namen hat und postet täglich Bilder der vollendeten Hautkunstwerke. Allein unter dem Hashtag #tattoo findet man über 78 Millionen Einträge – Tendenz steigend.

Aus Sicht der (potenziellen) Kunden ist Instagram eine wahre Inspirations-Quelle: Mit der täglichen Bildflut kann man so täglich tausende neue Motive und Arbeiten durchstöbern und sich selbst Anregungen für das nächste Design suchen. Dank der Speicher-Funktion lassen sich Bilder ganz leicht nach Kategorien clustern und auch nach einigen Wochen noch wiederfinden.

All das geschieht durch nur wenige Klicks bzw. Slides auf dem Smartphone. Wer seinen Lieblingskünstler oder seine Lieblingskünstlerin gefunden hat, kann ihm oder ihr dank Social Media per Abonnement folgen und verpasst somit keine neuen Postings, Conventionbesuche oder Terminausfälle mehr. Wer in seinen persönlichen Einstellungen für den jeweiligen Kanal die Benachrichtigungen aktiviert, bekommt sogar eine Push-Mitteilung auf sein Smartphone. Und zwar jedes Mal, sobald der ausgewählte Account ein neues Bild hochlädt.

Aus Sicht der Tattoo-Enthusiasten ist Instagram primär ein praktisches Tool, um immer neue Kreativität für das nächste Hautbild zu sammeln, aktuelle Trends zu verfolgen und die Trend-Künstler der Szene nicht mehr aus den Augen zu verlieren.

Aber auch für Tätowierer selbst hat dieser Social Media Channel einige Vorteile. Zum einen ist er unumgängliches Marketing-Instrument, um sich selbst als Künstler besser zu positionieren und seine Arbeiten einem breiteren Publikum vorzustellen. Ein qualitativ hochwertiges Bild, die richtige Bildunterschrift und die passenden Hashtags und schon hat das Posting das Potenzial, auf den Screenen von Millionen zu landen. Wer das Ganze noch in englischer Sprache verfasst, kann sich die Internationalität des Netzwerkes zu nutzen machen und seine Inhalte nahezu allen Usern zugänglich machen.

Außerdem bietet Instagram dank der Nachrichten-Funktion für potenzielle Kunden die Möglichkeit, direkten Kontakt aufzunehmen. Eine eigene Website haben daher einige Tätowierer gar nicht erst eingerichtet. Ein weiterer Pluspunkt: Je mehr Nutzer die Bilder liken und kommentieren, desto höher ist die Reichweite des Kanals – und des jeweiligen Künstlers.  Mehr Reichweite = mehr interessierte Kundschaft = mehr Umsatz, wenn man es simpel ausdrücken möchte.

Und doch, neben all den Followern und Likes, bietet Instagram auch Raum für Negativität. Zum einen nimmt es natürlich enorm viel Zeit in Anspruch, regelmäßigen, relevanten Content zu erstellen und zu posten – die Generierung der Idee, die Umsetzung, die Bildbearbeitung und die Beobachtung der Kommentare kosten (Arbeits)Zeit, nicht jeder kann und will sich dafür Platz einräumen. Außerdem: Wer viele persönliche Nachrichten in seinem Posteingang hat, verliert schnell die Übersicht. Und wer als potenzieller Kunde keine Antwort erhält, wird vielleicht gar nicht erst zum realen Kunden. Viele Tätowierer entscheiden sich daher bewusst gegen die direkte Kommunikation per Instagram und verweisen auf „offizielle“ Wege, wie Shopbesuch oder Anruf.

Ein weiterer Aspekt, der in Zeiten von Social Media und insbesondere Instagram häufiger in Erscheinung tritt, ist das Thema „Copy Cats“, also Tätowierer, die Vorlagen und/oder fertige Tätowierungen von anderen Künstlern 1:1 kopieren – ohne vorherige Nachfrage, ohne Credit, ohne künstlerischen Wert. Das Thema sorgt seit der ersten Kopie für viel Furore in der Szene, seit Instagram & Co. ist es vielen Möchtegern-Tätowierern allerdings noch leichter geworden, Motive einfach zu kopieren und sie als eigenes, geistiges Eigentum auszugeben. Denn: Gut fotografierte, hochaufgelöste und nahezu unbearbeitete Bilder einer frischen Tätowierung lassen sich leicht als „Vorlage“ für eine Kopie verwenden. Auch die Arbeit mit Wasserzeichen hilft da wenig. Einige Künstler greifen so zu Maßnahmen, wie starker Bildbearbeitung oder Fotografie aus einem eher ungünstigen Winkel, um die Proportionen des Tattoos zu verzerren. Sieht auf den ersten Blick „unschöner“ aus, als eine Frontalaufnahme, dient aber dennoch dem Zweck, dass eine mögliche Kopie direkt als (minderwertige) Kopie enttarnt werden kann. Wird ein Copy-Cat-Vorfall bekannt, kann die starke Vertretung der Szene auf Instagram auch dafür sorgen, dass der kopierte Künstler schnell Wind von der Sache bekommt – und den Kopierer dementsprechend konfrontieren kann, wenn auch nicht präventiv.

Instagram hat also – wie alle Social Media Kanäle – Vor- und Nachteile in der Nutzung, sowohl für Tattoo-Liebhaber als auch Tattoo-Künstler. Wer den Channel mit Vorsicht nutzt, sich genau informiert und recherchiert, kann jedoch viel Inspiration und auch Marketing-Möglichkeiten daraus schöpfen. Und wem das alles irgendwann einfach zu viel wird: Ausloggen is the key.

 

Titelbild: Maxime Fort


Über unsere Gastbloggerin Saskia:

Saskia hat das Schreiben im Blut und tobt sich hauptberuflich, nebenher und hobbymäßig damit aus. Sie sieht sich als Tattoo-Enthusiast, der Körperkunstwerke in Traditional, Neotraditional und Blackwork sammelt. Sollte mal etwas schiefgehen, schaut sie sich einfach ein Faultiervideo an – das hilft.

Ihren eigenen Blog „The Girl Above“ findet ihr übrigens genau hier.

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